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Über die Kunst Fehler zu machen

Freut mich, dass du dir Zeit nimmst, diesen Beitrag zu lesen und dir damit neuen Input gönnst. Warum ein Fehler nicht gleich ein Fehler ist und was unsere Schulzeit und Eltern damit zu tun haben, erfährst du in diesem Beitrag. 

Jeder macht mal Fehler. Sei es aus unserer Sicht oder aus der Sicht eines anderen Menschen. Vielleicht nennen wir es: Fehler. Manchmal nennen wir es auch Shit, Kacke oder ganz edel ausgedrückt Faux pas.

Wenn du das Wort „Fehler“ hörst, ist das für dich wahrscheinlich auch automatisch negativ geprägt. Schließlich leben wir in einer Gesellschaft in der es, spätestens ab Beginn der Schule, nicht zugelassen wird Fehler zu machen. Für Fehler bekommen wir Ärger, schlechtere Beurteilungen und Bewertungen. Die falschen Ergebnisse in einer Mathearbeit anzugeben sind zweifelsohne Fehler und es würde wenig Sinn machen hier zu jubeln und das zu belohnen. Bis zu einem bestimmten Maß machen solche Bewertungen bspw. bei der einen oder anderen Klausur auch Sinn. Jedoch übernehmen wir diese Einstellung oft auch in das Jugend- oder Erwachsenenalter, sowie auch in Schule, Uni oder Arbeitswelt. Du übernimmst es von dort wie selbstverständlich auch in deinen Alltag und dein Sozialleben. Ständig geht es darum, was wir richtig oder falsch machen.

Doch wann ist ein Fehler ein Fehler? Was hat das mit Erfahrung zu tun?

Wenn wir uns die Definition von Erfahrung anschauen gibt es zweierlei:

  • zum einen kann es ein Erleben/ Erlebnis sein durch das jemand klüger wird
    oder aber
  • eine bei praktischer Arbeit oder durch Wiederholen einer Sache gewonnene Kenntnis/ Routine

(Quelle: Oxford Languages)

Grds. ist eine Erfahrung also alles, was du für dich erlebst und wahrnimmst. Das kann sowohl negativ, positiv oder neutral sein. Du bewertest die gemachten Erfahrungen deines Alltags automatisch nach deinem von dir entwickelten Bewertungssystem. Dieses System prägt vom Kindesalter an und ändert sich immer wieder. Die „Grundeinstellungen“ lernen und übernehmen wir dabei von unseren Eltern und den Menschen in unserem Umfeld bzw. durch die Erfahrungen mit ihnen. Was für den einen eine richtig gute und tolle Erfahrung ist, bewertet ein anderer vielleicht für sich als ein Reinfall.

Wichtig ist daher zu wissen, dass du deine Bewertungen selbst in der Hand hast. Auch wenn du eine Situation schnell als gut oder schlecht bewertest kannst du das bewusst ändern, wenn du dir über deine Bewertung im Klaren bist. Das Bewusstsein und die eigene Achtsamkeit kommen hier wieder ins Spiel. Wenn dir auffällt das du dich jedes Mal aufregst, wenn du die falsche Kasse im Supermarkt ausgesucht hast kann das nervig und damit negativ wahrgenommen werden. Automatisch.

Du kannst das Ganze aber auch anders sehen für dich. Man spricht dann auch von „Reframing“. Einfach gesagt gibst du dem Ganzen also einen neuen „Rahmen“. Du kannst für dich die Perspektive ändern. Du kannst dir z.B. denken: „in der Zeit kann ich kurz 1-2 Freunden schreiben, überlegen was ich so am Wochenende machen will, meinen Tag weiter planen“ oder einfach kurz nur „sein“ und durchatmen, entspannen bevor du weiter busy von A nach B rennst. Runterfahren für eine kurze Zeit von einem vielleicht sehr durchgetakteten Tag.

Du hast die Bewertung für dich also selbst in der Hand. Stark, oder?! Es ist deine Entscheidung.

Aber auch hier lautet das Credo einmal mehr „Bewusstsein“. Bist du dir bewusst über deine Bewertungen. Wenn du gelegentlich genau darauf achtest, merkst du wie schnell du bewertest.

An dieser Stelle würde ich dich gerne einladen das Folgende für dich selbst zu überprüfen:

Welche Art von Erfahrung ist es für dich, wenn du merkst oder hörst, dass du einen Fehler gemacht hast? Hört sich das für dich positiv oder negativ an?

Es hört sich eher negativ an, oder? Hier ist der Punkt!

Ein Fehler ist zweifelsfrei in erster Linie eine Art von Erfahrung. Du aber entscheidest, wann du es wirklich „Fehler“ nennen willst. Wie willst du Erfahrung sammeln, wenn du keine Fehler machen darfst?

“Failure should be our teacher, not our undertaker. Failure is delay, not defeat. It is a temporary detour, not a dead end. Failure is something we can avoid only by saying nothing, doing nothing, and being nothing.”

– Denis Waitley –

Was wenn deine neue Erfahrung die du gemacht hast gar kein Fehler ist? Wie fühlt es sich für dich an wenn du hörst, dass du keinen Fehler machen kannst?

Gerade wenn Menschen an einer Vision arbeiten oder eine Idee haben, kannst du ihnen als Unterstützung ähnliche Fragen stellen. Statt direkt alles kaputt zu denken und von Anfang daran zu zweifeln denke dir eher: was würde ich machen wenn ich wüsste, dass ich nicht scheitern kann?

Bei einer neuen Arbeit, wenn du vieles zum allerersten Mal machst, bekommst du zunächst gesagt „mach dir keinen Kopf, du kannst nichts falsch machen, da kommst du schon rein“. Du genießt eine Art Welpenschutz. Wieso sollte das nur dann sein, wenn uns das jemand von außen sagt? Warum sollte man nicht oft Fehler machen dürfen und sich dann sogar darüber freuen?

Durch einen vermeintlichen „Fehler“, lernt man oft deutlich schneller und intensiver. Intensiver, als wenn man alles richtig macht, aber vielleicht dafür nicht mehr mit der gleichen Qualität und Sorgfalt. Es läuft ja sowieso bestens.

So ging es einst auch einem Unternehmer aus den USA:

Einer seiner Mitarbeiter, stets zuverlässig und sorgfältig, machte einen verheerenden Fehler. Durch diesen Fehler verlor das Unternehmen einen großen Auftrag und mehrere hunderttausend Dollar. Für den Unternehmer ein direkter Kündigungsgrund. Im Gespräch äußerte der Mitarbeiter selbst: „Ich kann die Konsequenzen nachvollziehen, sie werden mich kündigen. Solch ein Fehler hätte mir nicht unterlaufen dürfen. Ich kann es Ihnen nicht verübeln!“ Der Unternehmer hingegen sagte darauf nur: „machst du Witze? Ich habe gerade mehrere hunderttausend Dollar in dich investiert. Ich bin mir sicher, dass du solch einen Fehler nicht wieder machst und daraus gerade viel gelernt hast.“ Hätte er einen neuen Mitarbeiter auf die Stelle gesetzt, so wäre der Fehler vielleicht wieder passiert. Dass dieser Fehler dem gleichen Mitarbeiter, der sonst bereits sehr sorgfältig gearbeitet hat, wieder unterläuft, war deutlich unwahrscheinlicher.

„Everything you want is on the other side of fear“

– Jack Canfield –

Läuft etwas nicht so wie es hätte sein sollen, dann bewerte es für dich als Erfahrung. Bei dieser Erfahrung kannst du außerdem nicht immer direkt im Anschluss sagen, dass sie positiv oder negativ war. Oft zeigt sich das erst im Nachhinein wie du aus dem Beitrag Die Kunst zu urteilen gelernt hast. Von Erfahrung zu sprechen gibt dem Ganzen jedoch bereits einen neutraleren Rahmen.

Die Bewertung liegt also in deiner Verantwortung, und eine einmal gemachte Bewertung steht auch nicht in Stein gemeißelt.

Aus meiner Sicht kommt der Fehler, von dem so viele reden, erst später ins Spiel. Er kommt erst dann ins Spiel, wenn du das Gelernte, die neu dazu gelernte Erfahrung, nicht für dich nutzt.

Bewegen wir uns in der Annahme, dass jeder Mensch das aus seiner Sicht Bestmögliche in jeder Situation macht. Dann können wir auch davon ausgehen, dass Personen die aus unserer Sicht etwas „falsch“ machen, nicht aus Böswilligkeit gehandelt haben. Sie wussten es in dieser Situation schlichtweg nicht besser.

Diese Person hat ihr Bestmöglichstes getan und ihr fehlte dabei vielleicht die eine oder andere Information, die ihr geholfen hätte das gewünschte Ergebnis zu erzielen oder eine Entscheidung anders zu treffen. Ihr fehlte schlichtweg …Erfahrung!

Einen Fehler nimmt man daher auch nicht so ernst, wenn er durch Kinder oder junge Menschen gemacht wird, durch Auszubildende oder neue Mitarbeiter, die noch dazu lernen müssen. Schnell sagt man hier „das konnte er ja noch nicht wissen, das ist schon in Ordnung. Nächstes Mal dann!“

The bigger the failure, the greater the lesson!

Und so sollte man von Anfang an die Bewertung von Fehlern angehen. Besser sogar! Man kann sich über jeden gemachten „Fehler“ freuen. Denn diese Erfahrung macht uns nur besser. Sie zeigt uns auf was wir noch lernen können und wo wir uns verbessern dürfen.

Vielleicht geht es dir auch so vor wichtigen Prüfungen oder Präsentationen. Du lernst und lernst und machst immer wieder Fehler. Doch wenn du dir die Fehler bewusst machst, dann kannst du dankbar sein für die vielen Fehler die du währenddessen machst. Diese wirst du später, dann wenn es darauf ankommt, nicht mehr machen. Und so nimmst du dir auch automatisch den Druck heraus, dass du schon beim Üben perfekt sein musst.

Das Zwischenergebnis: wenn du einen vermeintlichen Fehler machst, handelt es sich in erster Linie um eine Erfahrung. Nichts weiter! Und diese Erfahrung darfst du auch für dich als positiv bewerten. Probiere es aus!

Wenn du an etwas scheiterst, irgendwo gerade nicht weiterkommst oder etwas nicht so gut gelaufen ist und du es besser machen kannst, dann versuche stets aus der Erfahrung etwas zu lernen und adaptiere das Ergebnis auf dein zukünftiges Handeln.

Das Ganze kannst du auch auf dein Leben im Allgemeinen übertragen. Viele beginnen nicht das zu tun was sie wollen, was ihr Herz, ihr Bauchgefühl oder ihr Instinkt ihnen sagt. Hier kann die Angst zu scheitern und einen Fehler zu machen oft ausschlaggebend sein. So haben wir es nun mal gelernt.

Und umso mehr du dich mit dir und deiner Passion auseinandersetzt, desto stärker merkst du, dass du tatsächlich nicht scheitern kannst. Es kann Rückschläge geben und es können Fehler gemacht werden. Aber das ist gut so! Eine inspirierende Geschichte dazu findest du im Buch „Der Alchimist“. Um was es in dem Buch geht findest du unter meinen Buchempfehlungen .

Wenn dennoch Hindernisse auftauchen, findest du einen Weg. Denn das „Warum“ kommt dann schließlich aus deinem Inneren und es gibt kaum einen stärkeren Richtungsweiser.

Failure is the mother of all success!

Nimm dir also die Zeit für dich, dein eigenes Bewertungssystem im Alltag bewusst wahrzunehmen und hier und da auch etwas daran zu drehen. Du selbst hast es in der Hand positiv oder negativ zu erfahren, zu reagieren und dich damit automatisch gut oder schlecht zu fühlen.

Es gibt fast endlose Beispiele an erfolgreichen Menschen, die am Anfang ihrer Karriere gescheitert sind. Nicht sofort den direkten Erfolg hatten. Gute Beispiele dafür sind Michael Jordan, der ganz am Anfang seiner Basketballkarriere aus dem Collegebasketballteam geschmissen wurde, Walt Disney, der bei einer Zeitung gearbeitet hat und gefeuert wurde mit der Begründung er habe keine Vorstellungskraft oder Oprah Winfrey, der zunächst nachgesagt wurde, sie sei nicht gut genug fürs Fernsehen.

Dass etwas nicht direkt beim ersten Mal klappt heißt nicht, dass man es nicht kann. Man kann so viel aus „Fehlern“ lernen. Außerdem können natürlich auch Meinungen von anderen Menschen mit deinen Vorstellungen, Visionen und Zielen kollidieren. Das macht die Erfahrung aber dennoch zu dem was du daraus machst. Niemand kann dich zwingen die Erfahrung so anzunehmen wie „er“ oder „sie“ es sieht.

Wenn also das nächste Mal etwas nicht gleich klappt, egal ob im Alltag oder im Beruf, im Sport oder in einem anderen Lebensbereich.

Frage dich: was kann ich aus dieser Erfahrung lernen?

Und wenn es schlussendlich für dich ein Fehler war? So what? Niemand ist perfekt und am Ende des Tages hast du einfach dein Bestes gegeben und so gut gehandelt wie du konntest und wolltest. Nimm dich und das Leben nicht zu ernst und erlaube dir Fehler zu machen. Fehler machen dich nur besser und aufmerksamer für das was du noch lernen kannst.

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