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Die „Kunst“ zu urteilen – bist du ein Bauer?

Die Geschichte vom Bauern und seinem Pferd

Tagtäglich urteilen wir über Ereignisse, Menschen, Umstände. Oft auch schnell und ohne weiteres überlegen. Warum auch nicht? Man braucht nicht jedes Mal anfangen darüber zu philosophieren, ob es gut ist wenn an dem geplanten, sonnigen Wochenende mit seinen Besten plötzlich doch eine Gewitterfront aufzieht. Logisch empfinden wir das für uns negativ.

Wie von selbst wissen wir automatisch, ob etwas positiv oder negativ zu bewerten ist. Wir entscheiden spontan. Das Urteilsvermögen darüber ziehen wir dabei aus unserer Erfahrung und unseren Erwartungen oder Vorstellungen von etwas.

 

Ist es aber wirklich jedes Mal so einfach zu urteilen? Die Konsequenzen die ein bestimmter Umstand oder ein bestimmtes Szenario auslösen können wir selbst nicht absehen. Urteilen darüber können wir aber scheinbar sofort.

„Verstehen kann man das Leben oft nur rückwärts, doch leben muss man es vorwärts.“

– Sören Kierkegaard –

Ich bin mir sicher jeder kennt eine Situation in der etwas schief gelaufen ist, etwas nicht funktioniert hat und aus dessen Folge sich dann doch noch etwas positives entwickelt hat.

Oft habe ich schon von Menschen gehört, die sich direkt nach der Schule beispielsweise auf einen Beruf beworben haben und nicht angenommen worden sind. Klar waren diese dann enttäuscht und mussten sich nach etwas anderem umsehen. Heute stehen einige von Ihnen mitten im Leben. Blühen inzwischen in dem auf was sie machen. Etwas an das sie vorher gar nicht gedacht hatten. Denkst du sie hängen dem Alten noch hinterher?

In dem Moment in dem sie abgelehnt werden bestimmt. Nicht das zu lernen oder gelehrt zu werden was sie eigentlich wollen ist erstmal enttäuschend. Doch wie oft ergeben sich daraus wieder ganz andere Perspektiven und Chancen. Viele höre ich im nachhinein sagen: „Gut, dass das damals nicht funktioniert hat, sonst hätte ich heute vielleicht nicht…“

Hier möchte ich auf eine für mich sehr besondere Geschichte kommen die ich vielen meiner engsten Freunde ans Herz lege, wenn sie gerade in einer für sie schwierigen und neuen Situationen nicht weiter wissen.

Sie handelt von einem Bauern und seinem Pferd:

 

Ein armer chinesischer Bauer besaß ein kleines Gut in den Bergen. Sein einziger Reichtum war ein wunderschönes Pferd. Die Bewohner des Dorfes neideten ihm das Pferd und boten ihm an, es abzukaufen: „Verkauf uns doch das Pferd, dann hast Du ein kleines Vermögen! Das Geld verhilft Dir zum Glück“. „Glück oder Unglück, woher wollt Ihr wissen, was es bringt?“, antwortete der Bauer und stimmte dem Verkauf nicht zu.

Einige Zeit später lief der wunderschöne Schimmel davon. Alles Suchen half nicht. Wieder kamen die Bewohner des Dorfes. Diesmal sagten sie mit Häme: „Siehst Du, hättest Du und das Pferd verkauft, das Geld wäre nicht weggelaufen und Du hättest Dir das Unglück erspart“. „Glück oder Unglück, woher wollt Ihr wissen, dass es ein Unglück ist?“, antwortete der Bauer ohne sich zu ärgern.

Einige Tage später kam das Pferd zurück. Mit ihm ein ganzes Rudel Wildpferde. Wiederum erschienen die Dorfbewohner. Sie wollten dem Bauern zu seinem Glück gratulieren. Der Bauer aber sagte: „Woher wollt ihr wissen, dass es ein Glücksfall ist?“

Der Bauer entschied sich, die Pferde mit seinem Sohn zuzureiten. Dabei stürzte der Sohn von einem der Pferde und verletze sich schwer am Bein. Da kamen die Dorfbewohner wieder: Du hast aber auch ein Pech“, sagten sie. Der Bauer aber sagte: „Woher wollt ihr wissen, dass es Pech ist?“

Einige Zeit danach erschien eine Kommission des Kaisers, um Soldaten und Arbeitskräfte für den Bau der Mauer einzuziehen. Der Sohn des Bauern blieb wegen der Beinverletzung verschont. „Du hast aber ein Glück“, sagten die Dorfbewohner. Der Bauer entgegnete nur: „Woher wollt ihr wissen, dass es ein Glück ist?“

Als der Bürgermeister des Dorfes starb, berieten sich die Ältesten, wer der Nachfolger werden sollte. Die Wahl fiel einstimmig auf den Bauern. Die Dorfbewohner gingen also zu ihm, um ihm den Vorschlag zu unterbreiten. Sie sagten dem Bauern, dass er wohl der weiseste sei im Dorf und den Bewohnern Glück verheiße. Der Bauer lehnte das Angebot ab. „Woher wollt ihr wissen, dass dies ein Glück ist?“

Quelle: Verfasser nicht genau bekannt; aus einer der Parabeln des Huainanzi, 18.Kapitel (2. Jahrhundert v. Chr.); aus der Sichtweise des Daoismus in Bezug auf Glück und Unglück

 

Der Bauer hielt sich in seiner Beurteilung über das gerade eingetroffene stets zurück. Er beurteilte es nicht, weil er, als auch die Dorfbewohner nicht wissen konnten, ob es sich wirklich um Glück oder Unglück handelt. Er wartete stattdessen ab und nahm den Umstand so an wie er eintraf. Ebenso den Nächsten und den Darauffolgenden.

Würden wir nicht viel mehr Energie in unserem Alltag sparen, wenn wir anfangen bei den Erfahrungen die wir jeden Tag machen nicht sofort zu urteilen? Es gibt nichts materielles oder immaterielles, keinen Zustand, der von sich aus positiv oder negativ ist. Unser Urteil und Auffassung über etwas machen es erst zu dem was es dann für uns selbst ist. Daher kann es auch nicht für jeden gleich gut oder schlecht sein. Ich bin mir sicher, wenn du mal darauf achtest gibt es mindestens 1-2 Dinge am Tag die du für richtig gut oder richtig schlecht empfindest.

Ich möchte dir mit dieser Geschichte vor allem den Anstoß geben offensichtlich negative Ereignisse zu hinterfragen und dich in Geduld zu üben. In Geduld, dass es nicht so schlimm ist wie es zunächst scheint.

 

Umsetzung: Nehme dir die nächsten Tage kurz Zeit scheinbar negative Ereignisse zu Hinterfragen. Gelassen zu sein und abzuwarten, ob dieses Negative wirklich so negativ bleibt wie du es im ersten Moment dachtest. Schließlich würde ich mich freuen, wenn du deine Erfahrung damit teilst und mir eine kurze Rückmeldung gibst.

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